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18. Oktober 2018

VPTMagazin | Vorteil des Physio-Studiums aus Sicht der Studierenden

VPTMagazin | Vorteil des Physio-Studiums aus Sicht der Studierenden
Foto: Daniel Stohl

Ein Studium vermittelt angehenden Physiotherapeuten bestmöglich evidenzbasiertes Wissen für die Praxis, macht sie zu reflektierten Praktikern und befähigt sie, ihr Handlungsfeld und ihre Interventionen zu beforschen. Damit haben sie die Chance, den Beruf weiter zu professionalisieren. Warum das wichtig ist, erklären Studierende der Internationalen Studien- und Berufsakademie Schwerin.

Moderne Physiotherapie ist fachlich hoch anspruchsvoll, praxis- und patientenorientiert sowie wissenschaftlich fundiert ausgerichtet. Das Physiotherapiestudium legt ergänzend zur Ausbildung Schwerpunkte in der Befähigung zu:

  • wissenschaftlichem Denken und Handeln (reflektierender Praktiker)
  • kritischer Bewertung von Forschungsergebnissen
  • interdisziplinärer Zusammenarbeit
  • Stärkung der Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit
  • selbstständigem lebenslangem Lernen

Hintergrundwissen Akademisierung

Derzeit bieten in ganz Deutschland Fachhochschulen und Universitäten Physiotherapie-Studiengänge an. Der erste erreichbare akademische Grad ist ein Bachelorabschluss, der aufbauend auf der dreijährigen Regelausbildung oder in einem primärqualifizierenden Studium erworben werden kann. Dabei besteht die Wahl zwischen den drei folgenden Modellen:

  • einem ausbildungsintegrierenden (= dualen) Studium während der Berufsausbildung an einer Physiotherapieschule
  • einem berufsbegleitenden Studium nach der Ausbildung
  • einem primärqualifizierenden Studium an einer Hochschule, was in Deutschland seit 2010 für Physiotherapeuten und andere Gesundheitsfachberufe auf Basis einer Modellklausel im Pflegestärkungsgesetz möglich ist

Alle Studienmodelle beinhalten auch einen hohen Praxisanteil: So muss jeder Studierende die nach dem Berufsgesetz sowie der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung von 1994 festgeschriebenen Praxisstunden nachweisen und einen Abschluss als staatlich anerkannter Physiotherapeut ablegen. Dieser ist in Deutschland immer noch die Voraussetzung für die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung „Physiotherapeut“ führen zu dürfen. Mit dem erfolgreich abgeschlossenen Studium erwerben die Absolventen zudem einen Bachelor­abschluss, der in anderen Ländern Europas als Qualifikation für den Beruf bereits die Regel ist.

Zwar forderten die Berufsverbände der Gesundheitsfachberufe nach Ende der Modellphase unisono, die erprobten primärqualifizierenden Studiengänge in ein Regelstudium zu überführen. Der Wissenschaftsrat hatte bereits 2012 empfohlen, die hochschulische Ausbildung in erster Linie in Form primärqualifizierender, patientenorientierter Studiengänge zu verfolgen und 10 bis 20 % eines Ausbildungsjahrgangs akademisch zu qualifizieren. Trotzdem verlängerte der Gesetzgeber die Modellphase um weitere 4 Jahre.

Der VPT arbeitet mit Schulen und Hochschulen eng zusammen, um auch in Deutschland Therapeuten die Chance zu eröffnen, ihre Qualifikation auf ein akademisches Niveau zu erweitern, um evidenter handeln, international arbeiten, neue Berufsfelder erschließen und Patienten diejenige Therapie anbieten zu können, die dem aktuellen Wissensstand entspricht. Dafür kooperiert z.B. der VPT Mecklenburg-Vorpommern mit der SWS Seminargesellschaft für Wirtschaft und Soziales und der ISBA Internationale Studien- und Berufsakademie in Schwerin. Diese bieten ein ausbildungsintegrierendes und berufsbegleitendes Bachelorstudium an. Die staatliche Anerkennung und Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung „Physiotherapeut“ erfolgt hier in der Regel nach dem 6. Semester, der Abschluss Bachelor of Science wird am Ende des 8. Semesters erworben. 

Umfrage unter angehenden Physiotherapeuten

Studiengangsleiterin Prof. Dr. phil. Kristin Behrens hat fürs VPTMAGAZIN ihre Studierenden befragt, warum sie sich für ein Studium statt für die klassische Ausbildung entschieden haben.

Welche Vorteile bietet ein Studium der Physiotherapie?
Physiotherapeuten müssen immer professioneller werden. Das haben wir schon in unseren ersten Praktika erleben dürfen. Zur Abstimmung mit anderen Berufsgruppen braucht es einfach mehr als die Schlüsselqualifikationen der Ausbildung. Der Professionalisierungsdruck macht auch vor den Physiotherapeuten nicht halt. Außerdem wird die Behandlung von Patienten immer interdisziplinärer.

Und warum haben Sie sich für ein ausbildungsintegrierendes Studium entschieden?
Wir absolvieren die klassische Berufsausbildung zum staatlich anerkannten Physiotherapeuten. Parallel finden ab dem 1. Semester bereits Studienveranstaltungen statt. So gibt es von Beginn an eine Verknüpfung aus Praxis und Wissenschaft. Nach 3 Jahren sind wir fertig ausgebildete Physiotherapeuten und können neben dem Studium erste Berufserfahrung sammeln. Auf das 7. und abschließende 8. Semester freuen wir uns deshalb besonders.

Ausbildung und Studium gleichzeitig. Das hört sich anstrengend an. Wie sieht ihr „Bildungsalltag“ aus?
Im Vergleich zu unseren Kollegen, die „nur“ die Ausbildung absolvieren, haben wir natürlich ein deutlich höheres Pensum. Aber das ist alles machbar. Die Abstimmung zwischen Ausbildung und Studium ist gut und Prüfungszeiträume sind aufeinander abgestimmt, sodass wir uns in den Lernphasen gut auf den jeweiligen Schwerpunkt konzentrieren können.

Welche beruflichen Perspektiven bieten sich Ihnen nach dem Studium? Welche Erwartungen haben Sie?
Die Physiotherapie und der Gesundheitsmarkt insgesamt entwickeln sich gerade schnell weiter. Neue Aufgabenfelder, die früher keine Rolle gespielt haben, kommen hinzu. Ein Physiotherapeut ist nicht mehr ausschließlich nur in der Einzeltherapie tätig, sondern in vielen Bereichen des Gesundheitssystems. Das Studium gibt uns Einblick in eine Vielzahl von späteren Handlungsfeldern. Dieses Wissen wollen wir nach dem Abschluss nutzen, um vielleicht eine eigene Praxis aufzubauen oder bessere Chancen auf Leitungsfunktionen zu haben.

Als Physiotherapeut muss man immer up to date bleiben und das eigene therapeutische Handeln mit dem wissenschaftlichen Kenntnisstand abgleichen. Wie hilft Ihnen dabei das Studium?
Wir beschäftigen uns intensiv mit wissenschaftlichen Methoden, Datenbanken und Recherchemöglichkeiten. Das Studium gibt viel Raum, um exemplarisch wissenschaftlich fundierte Therapiepläne zu entwickeln. Gekoppelt ist das immer mit unseren Praxisphasen. So können wir Erfahrungen sammeln, denn Theorie und Praxis passen nicht immer zusammen und wir lernen, uns auf die individuellen Bedarfe der Patienten einzustellen und Therapiemethoden anzupassen. Wichtig ist, dass wir das Handwerkszeug gelernt haben, wie wir kritisch mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen umzugehen haben und reflektieren, welche Informationen tatsächlich praxisrelevant sind. Wir werden immer „gezwungen“ sein regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen, um neuen Input zu bekommen. Es ist gut, sich mit Neuem auseinanderzusetzen, aber wir lernen auch viel darüber, wie wir uns Wissen selbst aneignen und beschaffen können.

Wie soll es für Sie nach dem Studium weitergehen?
Unsere Zukunftspläne sehen sehr unterschiedlich aus. Einige von uns möchten nach dem Studium Auslandserfahrungen sammeln. Die Hürde ist jetzt nicht mehr so hoch, da wir mit dem Bachelorabschluss einen europaweit anerkannter akademischen Abschluss vorweisen können. Einige überlegen auch weiterzustudieren und ihren Master zu machen. Die meisten von uns werden allerdings erst Berufserfahrungen sammeln, um dann eine weitere Spezialisierung in Angriff zu nehmen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich für Ihren späteren Arbeitsalltag wünschen?
Immer genug Zeit für alle Patienten zu haben und wissenschaftlich fundiert arbeiten zu können, etwas weniger Bürokratie und eine bessere Bezahlung. Die Berufschancen sind zwar sehr gut, aber die „monetäre Honorierung“ steht nicht im Verhältnis zum fachlichen Anspruch unserer späteren Arbeit. Langfristig versprechen wir uns, dass auch das Studium dazu beiträgt, später besser verdienen zu können.

Warum haben Sie sich für einen kleinen Studienstandort wie Schwerin entschieden?
Der Unterricht findet hier in kleinen Gruppen und sehr individuell statt. Hier kennt jeder jeden. Außerdem sind die vielen Praxispartner der Region, aufgrund des Fachkräftemangels, sehr daran interessiert, dass wir eine gute Ausbildung und ein gutes Studium absolvieren. Wir bekommen daher viel Unterstützung. Die Berufaussichten sind sehr gut und wir haben bereits vor Abschluss der Ausbildung sichere Zusagen und können nach dem sechsten Semester anfangen zu arbeiten.


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